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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

unser Leben hat sich in den vergangenen Wochen einschneidend gewandelt und ist von großer Unsicherheit geprägt. Täglich verändert sich die Lage und niemand weiß, wie es morgen weitergeht. Zwischen dem Moment, in dem ich diese Zeilen an Sie schreibe, und dem Augenblick, in dem Sie dieses Schreiben in Händen halten, passiert viel.

So etwas wie die Corona-Pandemie mit all ihren Folgen haben wir bisher noch nicht erlebt. Es geht um Gesundheit, für manche um Leben und Tod. Um Einsamkeit und Gemeinschaftssinn. Um die wirtschaftliche Existenz und große Einschränkungen. Um Trauer und Trost.

Unsere besondere Lage wird uns an den kommenden Feiertagen – von Gründonnerstag über Karfreitag bis Ostern – besonders schmerzlich bewusst. Wir können in diesem Jahr nicht frei und fröhlich unsere Lieben besuchen, in unseren Kirchen keine Gottesdienste feiern und Oster-Bräuche nicht pfl egen wie sonst. Das wirft Fragen auf. Auch die Frage nach Gott. Viele entdecken in diesen Tagen das Gebet als einen Ort der Zuflucht und als eine Quelle der Kraft.

Die Karwoche erinnert daran, dass Jesus Christus und mit ihm alle, die bei ihm waren, Leiden und Sterben ertragen mussten. Das Osterfest verkündet die Botschaft, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, sondern dass das Leben siegt.

Das macht Mut, voller Hoff nung zu leben. Es ist gut, wenn wir gerade jetzt immer wieder beten, für uns selbst und für andere. Denn Beten kann Furcht nehmen und stattdessen Kraft und Liebe geben.

Wie ist Ihr Kontakt zu Gott? Vielleicht sprechen Sie da rüber auch mit anderen Menschen – in der Familie oder am Telefon und über soziale Medien. Ich bin sicher: Es werden intensive Gespräche.

Leider können wir Sie derzeit nicht in die Kirchen zu unseren Gottesdiensten einladen. Sie können aber Gottesdienste mitfeiern, die übertragen werden – im Radio, im Fernsehen oder auch im Netz. Wer die Möglichkeit dazu hat, findet auf der Seite gottkontakt weitere Informationen.

Bleiben Sie behütet und bewahrt! Gott segne Sie!

Dr. Dr. h. c. Volker Jung
Pfarrer und Kirchenpräsident


„Muss nur mal kurz die Welt retten“

... so singt es Tim Bentzko in einem populären Song. „Noch 148 Mails checken. Wer weiß was mir dann noch passiert, denn es passiert so viel. Muss nur noch kurz die Welt retten. Und gleich danach bin ich wieder bei dir“

Ich kenne dieses Gefühl. Da bricht vieles auf einmal über mich herein. Alles ist wichtig und alles hängt von mir ab. Muss also kurz mal wieder die Welt retten.

Wie gut ist es da, sich erst mal zu sortieren. Den inneren Kompass ausrichten und schauen, was jetzt dran ist.

Martin Luther musste keine Mails checken und war nicht über Mobiltelefon permanent erreichbar. Aber auch er kannte dieses Gefühl der Arbeitsüberlastung. Seinen Umgang damit soll er mit folgenden Worten beschrieben haben: „Ich hab so viel zu tun, deshalb muss ich jetzt erst mal beten gehen.“

Luther hat Recht. Beten hilft mir dabei, den Kopf und das Herz klar zu kriegen. Mein inneres Chaos, mein Gedankenkarussell: das alles vertraue ich Gott an. Das Gebet verändert vielleicht nicht direkt die Situation, aber es verändert meine Perspektive. Mein Kopf- und Herzkompass nordet sich ein. Ich finde meinen Weg durch den Dschungel der Pflichten.

Ich glaube, dass das Gebet wichtig und hilfreich ist in einer so hochbeschleunigten Zeit.

Wie finden aber meine Gedanken ihren Weg ins Gebet hinein? So leicht bekomme ich sie doch nicht zum Schweigen. Ich suche mir einen Ort der Ruhe, vielleicht die offene Kirche in der Nachbarschaft. Vielleicht ist es der Spaziergang im Park. Oder der Gang in die Teeküche.

Und ich merke, dass mir alte Worte helfen wenn ich vor lauter Gedanken nicht zu eigenen Worten finde: Das Vaterunser oder die Psalmen. Manchmal schaffen es diese Worte aus der Bibel meine eigene Situation hervorragend zu beschreiben wenn ich sie für mich spreche. Laut, leise oder im Herzen.

Muss mal wieder die Welt retten? Ok, erst mal beten gehen.

Matthias Schmidt
Propst für Oberhessen

Informationen, praktische Anregungen und Gebetsvorschläge finden Sie unter: www.gottkontakt.de

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